Climeon: Flaggschiff der Viking Linie verbessert Energiebilanz

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Die Schweden haben’s erfunden: Das Heat Power System von Climeon zum Energy Recycling sorgt bei der „Viking Glory“ für die Rückgewinnung der Energie. Hier wird der nötige Strom zum Teil selbst produziert.

Umweltfreundlichkeit durch Energierückgewinnung: Climeon verbessert die Energiebilanz

Das schwedische Clean-Tech-Unternehmen Climeon war bereits an der Entwicklung der „Viking Grace“ beteiligt, das kleinere Schwesterschiff der „Viking Glory“. Letztere soll etwas verspätet in Dienst gestellt werden, die weltweite Pandemie hatte für Verzögerungen auch in der Xiamen Shipbuilding Industry Co. Ltd. in China gesorgt.

Doch die News, die die Fachwelt derzeit erreichen, sind vielversprechend: Die „Viking Glory“ wird ihre kleine Schwester als klimafreundlichstes Schiff ablösen und als neues Flaggschiff der Viking Linie für eine deutlich verbesserte Energiebilanz sorgen.

Heat Power System von Climeon nutzt die Abwärme der Motoren (Video)

Für das Energy Recycling an Bord der demnächst die Touren zwischen Turku und Stockholm (Zwischenhalte auf den Alandinseln geplant) übernehmenden „Viking Glory“ zeichnet das schwedische Unternehmen Climeon verantwortlich.

Die neue „Viking Glory“ setzt auf die Nutzung der Abwärme von Motoren und wird damit um rund zehn Prozent energieeffizienter unterwegs sein als ihre kleine Schwester.

Die Viking Glory wird mit dem Climeon Heat Power System eines der klimafreundlichsten Passagierschiffe der Welt sein. (Foto: Viking Line)

Die Viking Glory wird mit dem Climeon Heat Power System eines der klimafreundlichsten Passagierschiffe der Welt sein. (Foto: Viking Line)

Die Abwärme würde normalerweise ungenutzt verpuffen, doch Climeon setzt die Heat Power Module ein, um die Wärmeenergie in elektrische Energie umzuwandeln. Damit wiederum können rund 40 Prozent des Stroms, der an Bord für die Unterhaltung der Passagierkabinen nötig ist, selbst produziert werden. Somit lässt Climeon den Treibstoffverbrauch absinken.

Video: Viking Gloryn vesillelasku-live

Zusätzlich zu Climeon: Bessere Energiebilanz durch weitere Innovationen

Nicht nur Climeon hat mit seinem Wärmekraftmodul zur Umwandlung der Motorenabwärme dafür gesorgt, dass die „Viking Glory“ besonders umweltfreundlich unterwegs sein wird und eine deutlich bessere Energiebilanz haben kann.

Auch weitere Partner waren an der Entwicklung des Schiffes der Super-Eisklasse 1A beteiligt:

  • Wärtsilä
  • ABB Marine
  • Deltamarin
  • Evac
  • Koncept
  • Kone
  • Projektia

Die genannten Firmen sind nur eine Auswahl der Partner aus der Ship Industry, die das neue Flaggschiff der Viking Linie zu etwas ganz Besonderem werden ließen und die dafür gesorgt haben, dass der ökologische Fußabdruck der dringend benötigten Schifffahrt kleiner wird. Wärtsilä hat zum Beispiel sechs 31 DF-Zweistoffmotoren beigesteuert, die als derzeit verbrauchsärmste Motoren gelten.

Sie können mit Flüssigerdgas fahren, das an Bord bei weniger als 160 °C gelagert wird. Durch diese extrem tiefen Temperaturen entsteht die sogenannte Abfallkälte („Waste Cold“), die auf der „Viking Glory“ nun ebenfalls genutzt wird. Sie dient der Kühlung der Kühlräume und -theken sowie weiterer kühl zu haltender Bereiche.

Die Energiebilanz wird zusätzlich durch das intelligente Heiz- und Belüftungssystem verbessert. Dieses ist an das Buchungssystem gebunden. Meldet es, dass eine Kabine nicht belegt wurde, wird sie entsprechend nur auf dem Minimum beheizt und belüftet. Dies wiederum spart Energie.

ABB Marine hat das Azipod-Propellersystem beigesteuert, bei dem der zugehörige Elektromotor extern untergebracht wurde. Dies sorgt zum einen bei den Passagieren für ein angenehmeres Fahrgefühl, weil weniger Vibrationen auftreten. Doch dies ist nicht der einzige Grund, warum die Viking Linie auf ABB als Partner gesetzt hat. Das neuartige Propellersystem lässt Manöver leichter und schneller fahrbar werden. Damit wiederum wird Zeit gespart, außerdem ist der Treibstoffverbrauch noch niedriger.

Climeon ist gut für die Umwelt (Video)

Die News berichten immer wieder darüber, dass es in der Schifffahrt vor allem darum gehen muss, diese ökologisch vertretbarer zu gestalten. Nun ermöglicht die „Viking Glory“ den nachhaltigen Seeverkehr, denn dank des Energy Recycling bzw. Heat Power Systems von Climeon wird der CO2-Ausstoß um bis zu 4.000 Tonnen pro Jahr reduziert.

Aus gutem Grund erwartet man bei der Viking Linie, dass das neue Flaggschiff wegen seiner Innovationen und wegen der Umweltfreundlichkeit die Nachfolge der „Viking Grace“ als klimafreundlichstes Schiff der Welt antreten wird.

Video: Climeon & Viking Line

Auch Mediterranean Shipping Company forscht mit MSC Cruises an CO2-Ersparnis

Nicht nur dank der in der Shipbuilding Industry Co. Ltd. verbauten Systeme von Climeon soll die Schifffahrt nachhaltiger werden. Auch Mediterranean Shipping Company forscht über MSC Cruises an der Verringerung der Emissionen.

Bei MSC setzt man den News zufolge ebenfalls auf Systeme, die viel Kraftstoff einsparen und damit den CO2-Ausstoß deutlich reduzieren sollen. Energy Recycling ist auch hier ein Thema, wobei man sich bei der Mediterranean Shipping Company und bei MSC Cruises darüber im Klaren ist, dass alternative Treibstoffe nur dann vollends zum Einsatz kommen können, wenn sie auch in genügendem Maße vorhanden sind.

Viking Glory. Das Climeon System findet sich links oben. (Foto: Viking Line)

Viking Glory. Das Climeon System findet sich links oben. (Foto: Viking Line)

Aktuell forscht MSC zusammen mit diversen Partnern an einem EU-Projekt, das von der Universität Vaasa in Finnland ins Leben gerufen wurde und das durch Fördermittel der EU für eine Suche nach umweltfreundlichen Lösungen für die Schifffahrt gestützt wird. Auch Climeon ist hier vertreten und kann das bisherige Know-how zu den Möglichkeiten der Einsparung von CO2 einbringen.

MSC wird die neuen Schiffe „MSC Virtuosa“ und „MSC Seashore“ mit innovativen Systemen ausstatten und demnächst in Dienst stellen. In 2022 soll dann die „MSC World Europa“ die ersten Routen fahren und nur auf den Antrieb mit LNG setzen.

Weitere Partner, die am CHEK-Projekt beteiligt sind, sind unter anderem:

  • World Maritime University Malmö
  • Deltamarin
  • BAR Technologies
  • Silverstream Technologies
  • Wärtsilä
  • HASYTEC
  • Cargill
  • Lloyds Register

MSC forscht an zahlreichen Möglichkeiten, den Seeverkehr nachhaltiger werden zu lassen, wobei die Partner des genannten Projekts hoffen, auch weiterhin die nötigen Mittel durch die EU zur Verfügung gestellt zu bekommen.

Sie sind unter anderem mit der Forschung am Wasserstoffantrieb beschäftigt, es geht um die Luftschmierung des Rumpfes der Schiffe, um neuartige Verbrennungssysteme für den Abfall an Bord sowie um eine Optimierungssoftware, mit der alle Systeme auf dem Schiff digital zusammengeführt und verwaltet werden. Auch das Ultraschall-Antifouling steht im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten.

Generell sollen hier die Wünsche nach mehr Nachhaltigkeit und Effizienz in der Schifffahrt verbunden werden. Die Erkenntnisse, die durch Vorerfahrungen unter anderm von Climeon genutzt werden können, sorgen dafür, dass die Forschungen deutlich schneller vorangehen.

Über den Autor

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Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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