JBS: Fleischproduzent steigt in Ersatzmarkt ein

0

Der amerikanische Fleischproduzent JBS übernimmt mit BiotechFoods den spanischen Hersteller für kultiviertes Protein. Die Fusion der beiden Unternehmen wird von Branchenkennern als ein Zeichen für die Entwicklung hin zu nachhaltigeren Fertigprodukten gewertet.

JBS: Gigant der Fleischproduktion

JBS Foods dominiert den weltweiten Fleischmarkt. Mit seinen 150 000 Mitarbeitern beliefert das Unternehmen 100 Länder auf sechs Kontinenten mit seinen Waren. Derzeit hat die Firma die Marktführerschaft im Rind- und Hühnerfleischmarkt inne und strebt diese auch im Schweinesegment an. Parallel dazu richtet sich die Gesellschaft aber auch auf boomende Zukunftsmärkte für alternative Produktionsformen aus. So erklären sich u.a. auch die Aufkäufe der letzten Jahre, wie z.B. im Fall von BiotechFoods.

BiotechFoods: Mit Technologie zum Tierwohl

Das spanische Unternehmen BiotechFoods verfügt über Techniken, die in der Lage sind, nennenswerte Menge an fleischlichen Produkten zu produzieren, ohne dass dabei Tiere zu Schaden kommen müssen. In den entwickelten Prozeduren wird tierisches Gewebe schmerzfrei entnommen. Kein animalische Kreatur muss zur Fertigung der Endprodukte mehr qualvoll gemästet und geschlachtet werden. Stattdessen werden die hier gewonnenen Zellen in Trägersubstanzen eingebracht. Dort werden sie mit Energieträgern wie Getreide oder Hülsenfrüchte angereichert. Und anschließend so oft gefaltet, bis sie den Fleischfüllungen in Hamburgern gleichen. Fleischformen, bei denen Kunden mehr Textur gewöhnt sind, bekommen diese mittels zusätzlicher mechanisierter Techniken aufgeprägt.

Inkubatoren vervielfältigen diese Musterformen, so dass sich schon heute mehrere tausend Kilo Fleischmasse für Fertigprodukte damit erzeugen lassen. Für den gesamten biotechnischen Vorgang finden sich mittlerweile viele verschiedene Bezeichnungen. In-Vitro-Fleisch, Labor-Protein oder auch Eiweißkultivierung sind nur einige davon. Ursprünglich entwickelt und angewandt wurde diese Technik in der menschlichen Gesundheit, um großflächig zerstörte Haut mit transplantierfähigem Material versorgen zu können.

Biotech-JBS-Foods: Die Zukunft der Fleischproduktion

Der nun erweiterte Großkonzern unterstützt und baut die Stärken beider Partner weiter aus. BiotechFoods kann seine zur Zeit oft noch unter Laborbedingungen stattfindenden Versuche nun im praktischen Feld umsetzen. Es kann dabei auf die entwickelten JBS-Fähigkeiten in der industriellen Produktion, seinem Marketingapparat und dessen Vertriebskenntnisse zurückgreifen. Die US-Firma wiederum integriert das technische Know How der Spanier und ihre neuartigen Entwicklungsmethoden in sein bisheriges System.

Darüber hinaus werden 100 Millionen Dollar in eine Produktionsanlage in Spanien investiert, sowie eine Teststation in Brasilien errichtet. Die Gruppe kann dabei auf vertieftes wissenschaftliches branchenspezifisches Expertenwissen zurückgreifen. Silicon Vallery Entrepreneure für neuartige Tier-Medizinprodukte bringen ihre Erfahrung ebenso in diesen Pool ein, wie MIT- und Harvard-Lehrpersonal. Das Einzige, was dem Start der Unternehmung bisher noch im Wege stehen könnte, sind ausstehende behördliche Genehmigungen. Aber die Unternehmensführung geht dabei von einer reinen Formsache aus.

JBS: Nummer eins der Welternährung?

Der US-Konzern JBS verfolgt mit seinen Erwerbungen von Unternehmensteil ein klares Ziel. Mit der Finanzierung von neuartiger Technologie versucht der Gigant einerseits, bestehende Kapazitäten und Ressource so weit zu optimieren, dass sich mit stetig sinkendem Aufwand mehr Masse produzieren lässt. Gleichzeitig hat das Unternehmen aber auch die wachsenden Märkte für nachhaltigere verträglichere Nahrung im Blick. Die Aufkäufe von marktbeherrschenden Firmen wie Vivera, einem Anbieter von pflanzlichen Nahrungsmitteln oder dem zweitplatzierten Lachserzeuger in Australien, Huon belegen dies. Schon jetzt vertritt die JBS-Gesellschaft den Anspruch zukünftig die gesamte wachsende Weltbevölkerung versorgen zu können.

Über den Autor

Avatar

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Lassen Sie eine Antwort hier