Volksbank Stuttgart: Fusion mit Göppingen gescheitert

Die Gespräche über die Fusion der Volksbank Stuttgart und der Volksbank Göppingen beschäftigte die gemüter schon länger. Noch im Sommer klangen bei der Volksbank in Stuttgart sehr zuversichtliche Töne an, doch damit ist nun Schluss. Die Fusion ist gescheitert.

Volksbank Stuttgart: „unterschiedliche Ansichten“

Die Unstimmigkeiten der Volksbank in Stuttgart wie jener zu Göppingen sind keine geringen. Was hier in der Gegenwart Ungemach bereitet, sind unterschiedliche Ansichten über die Zukunft des geplanten Gebildes. Die Unternehmenssteuerung geriet zum Zankapfel der beiden Volksbanken, so zumindest ein Sprecher der Volksbank Stuttgart am letzten Dienstag.

Zusammenarbeit angestrebt: Volksbank Stuttgart und Göppingen kooperieren nun stärker

Wenn schon keine Fusion, dann doch zumindest eine Kooperation. So wollen es die beiden Vorstände. Offenbar gibt es Verbindendes und Trennendes. Wenngleich sich nach Aussage der Stuttgarter kein abschließendes, gemeinsames Zielbild finden ließ, so ist beiden Volksbanken doch klar, dass sich aus dem Zusammenschluss Synergien hätten ergeben können. Die Kraft dieser Synergien will man aber doch zum Vorteil beider Häuser nutzen. Darauf verständigte man sich letztlich doch noch.

Für die Volksbank Göppingen und ihr Stuttgarter Pendant sind die Fusionsgespräche fürs Erste beendet. Man möchte vermuten, dass die Meinungsverschiedenheiten letztlich doch groß und unüberwindbar waren. Details sind nicht zu erfahren, außer dass vom ehemaligen Chef der Volksbank Göppingen Gegenwind gekommen sein soll.

Die Kräfte bündeln: Stuttgart und Göppingen auf dem Spurt an die Spitze

Beide Volksbanken gehören nicht zu den kleinen Genossenschaftsbanken. Mit einer Bilanzsumme von etwa 6,5 Milliarden Euro rangiert die Volksbank Stuttgart im Jahr 2016 auf Platz 13 der Genossenschaftsbanken. Die etwas kleinere Volksbank Göppingen wäre mit einer Bilanzsumme von etwa 2,2 Milliarden Euro von Platz 75 der Rangliste in die Ehe gestartet. Gemeinsam hätte man sich Platz 7 oder 8 auf der Rangliste der Volksbanken und Raiffeisenbanken erwarten dürfen. Doch daraus wird nun nichts.

Die deutschen Banken sehen ihre Branche in bewegten Gewässern. Da schafft ein Zusammenschluss schon Möglichkeiten der Stärkung, insbesondere da es sich bei beiden Instituten um Bankhäuser mit einem gesunden Kerngeschäft handelt. Ende Juli 2017 verkündeten beide Volksbanken ihre Pläne, klangen noch voller Euphorie. Es gebe keinen wirtschaftlichen Fusionsdruck – betonten beide Volksbanken.

Nicht nur in der Rangliste der Volksbanken und Raiffeisenbanken hätte man sich nach oben gearbeitet. Auch einen Vergleich mit den großen Sparkassen brauchte man dann nicht mehr zu scheuen.

Rangliste der Volks- Raiffeisenbanken 2016

Rang Name der Bank Ort Bilanzsumme Einlagen Spareinlagen
1 Deutsche Apotheker- und Ärztebank eG Düsseldorf 38.761.456 25.710.847 93.315
2 Sparda-Bank Baden-Württemberg eG Stuttgart 13.430.779 11.663.604 4.563.115
3 Berliner Volksbank eG Berlin 12.505.442 10.641.552 894.648
4 BBBank eG, Karlsruhe Karlsruhe 10.204.465 8.740.076 2.219.603
5 Sparda-Bank Südwest eG Mainz 9.437.230 7.678.443 1.843.108
6 Frankfurter Volksbank eG Frankfurt a.M. 9.343.464 7.320.721 1.624.092
7 Sparda-Bank West eG Düsseldorf 8.993.372 7.991.047 2.834.482
  Sparkasse Stuttgart + Sparkasse Göppingen 8.700.000    
8 Bank für Sozialwirtschaft AG Köln 8.649.610 6.552.461 452.864
9 Sparda-Bank München eG München 7.187.649 6.538.412 1.292.347
10 Evangelische Bank eG Kassel 7.142.738 5.953.797 1.783.745

Quelle: Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

Rangliste der Sparkassen 2016

Rang Name der Bank Ort Bilanzsumme Einlagen Spareinlagen
1 Hamburger Sparkasse Hamburg 43.909.887 34.265.280 31.098.990
2 Sparkasse KölnBonn Köln 27.136.583 20.073.928 18.524.533
3 Kreissparkasse Köln Köln 25.144.444 18.183.250 19.457.744
4 Frankfurter Sparkasse Frankfurt Main 18.177.567 15.990.955 7.789.657
5 Stadtsparkasse München München 17.623.162 14.825.847 12.183.510
6 Sparkasse Hannover Hannover 14.188.679 11.328.181 10.892.823
7 Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam Potsdam 12.348.057 10.031.801 5.837.917
8 Ostsächsische Sparkasse Dresden Dresden 12.346.936 9.735.034 5.832.726
9 Die Sparkasse Bremen AG Bremen 11.496.291 7.852.200 9.081.081
10 Sparkasse Pforzheim Calw Pforzheim 11.317.329 7.467.260 7.605.382
11 Nassauische Sparkasse Wiesbaden 11.282.387 8.508.893 9.137.040
12 Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg München 11.178.472 9.355.402 8.035.844
13 Stadtsparkasse Düsseldorf Düsseldorf 11.068.350 8.737.893 7.556.005
14 Sparkasse Nürnberg Nürnberg 11.025.819 8.800.110 6.230.280
15 Sparkasse Aachen Aachen 10.806.570 7.891.661 7.782.553
16 Kreissparkasse Ludwigsburg Ludwigsburg 10.397.391 6.692.507 5.427.489
17 Sparkasse Dortmund Dortmund 9.135.000 6.592.702 5.865.051
18 Sparkasse Münsterland Ost Münster 9.132.786 6.787.183 6.642.740
19 Landessparkasse zu Oldenburg Oldenburg 8.816.220 6.743.231 7.321.996
  Sparkasse Stuttgart + Sparkasse Göppingen 8.700.000    
20 Stadt- und Kreissparkasse Leipzig Leipzig 8.602.495 7.636.686 4.041.692
21 Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen Esslingen 8.503.673 6.745.844 5.704.651
22 Kreissparkasse Heilbronn Heilbronn 8.425.868 5.970.596 6.282.916
23 Sparkasse Krefeld Krefeld 8.303.911 6.502.568 4.884.808
24 Sparkasse Essen Essen 8.194.181 6.117.690 5.819.753
25 Sparkasse Mainfranken Würzburg Würzburg 8.083.737 6.660.725 5.109.782

Quelle: Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)

Trend zur Fusion im Genossenschaftsverband

Die Volksbank Stuttgart und auch die Göppinger Volksbank stehen nicht als Einzelgänger da. Insgesamt elf Fusionen stehen im Jahr 2017 an. Der Konzentrationsprozess wird noch mehrere Jahre anhalten, so sieht es zumindest der baden-württembergische Genossenschaftsverband. Rückblickend gewinnen die Worte der beiden Bankchefs aus dem Sommer ganz neu an Bedeutung.

„Wir müssen Strukturen schaffen, dass wir uns das [die Verankerung in der Region]in Zukunft leisten können“, verkündete damals der Stuttgarter Rudolf Zeisl. Stärker werdenden Veränderungsdruck betonte damals der Göppinger Lukas Kuhn. Man darf gespannt sein, ob die angekündigte Kooperation die Fusion ersetzen kann.


Bildnachweis: © shutterstock – Vytautas Kielaitis

Share.

Über Marius Beilhammer

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply